Die erste Begenung:

Vali ist der Anführer der Wächter.  Mit seiner Geschichte begann mein Abenteuer in der Wächterwelt. Er ist aber auch eine imposante Persönlichkeit. Als er ganz unverhofft eines Tages vor meiner Tür erschien, war ich ziemlich überwältigt. Den Ahnen sei Dank, kam er bei seinem ersten Besuch allein vorbei. Den ganzen Trupp hätte ich wohl nicht auf einmal verkraftet *Schmunzel*. 

Er stand in meiner Tür und fragte mich, ob er rein kommen dürfte.

"Klar, warum nicht. Ich lasse grundsätzlich zwei Meter große Fremde, die aussehen, als kämen sie von einem Inkassobüro in mein Haus."

Der Blick, den er mir zuwirft, ist eine Mischung aus Autorität, Amusement und purem Sexappeal.

Was soll ich tun? Ich trete zur Seite und lasse diesen seltsamen Fremden in mein Haus, obwohl es so gar nicht meiner Art entspricht.

Er geht einfach an mir vorbei. Direkt in meine Küche und nimmt sich einen Stuhl. Ich überlege kurz ob ich mir einen Therapeuten suchen soll, aber meine Neugier gewinnt. Ich frage mich, welche Zeitschrift er wohl verkauft? Oder ob er einfach mit mir über Gott sprechen will. Sein Lachen ist ein tiefes Vibrieren in der kleinen Küche.

V: "Ich glaube nicht an Götter, und Zeitschriften verkaufe ich auch nicht."

Während ich noch darüber nachdenke, ob ich eben laut gedacht habe, fährt er fort.

V: "Ich suche jemanden, der meine Geschichte aufschreibt."

Y: "Warum ausgerechnet ich?"

V: "Es passt. Du brauchst eine Geschichte, und ich jemanden, der meine erzählt."

Y: "Warum erzählst du sie nicht selbst?"

V: "Die Menschen würden sie mir nicht glauben. Dir schon."

Y: "Was macht dich da so sicher? Ich bin kein großer Schriftsteller."

V: *lacht* "Das bin ich auch nicht."

Er nimmt sich eine Tasse Kaffee und sitzt auf meinem Küchenstuhl, als würde er dahin gehören. Aber diese Wirkung hat er immer, glaube ich. Er nimmt einen Raum, und die Menschen darin, ganz einfach für sich ein. Selbst, wenn er das gar nicht beabsichtigt.

"Die Sache ist die", beginnt er zu erzählen. "Niemand weiß, dass es uns gibt. Und niemand darf es erfahren."

"Euch?" Es gibt noch mehr von diesen Kerlen? Ich frage mich, was für einer Sekte man beitreten muss, um so groß zu wachsen.

"Die Wächter. Wir sind seit Ewigkeiten hier auf eurem Planeten und -."

Mein Blick sagt deutlich etwas wie: Ja nee, ist klar, aber Vali lässt sich nicht beirren. Er stützt sich nur auf meinem Tisch ab und sieht mir tief in die Augen. Seine Stimme dröhnt in meinem Kopf, obwohl er seinen Mund nicht bewegt.

"Alles, was ich dir erzählen werde, entspricht der Wahrheit."

Oh wow, denke ich und nicke, als ich die Kringel und leuchteden Punkte in seinen dunkelblauen Augen bemerke. Es ist, als ob er das ganze Unversum mit sich rumschleppt. Was auch immer er ist, er ist definitiv kein Mensch.

"Wenn niemand etwas erfahren darf, warum soll ich dann ..."

"Weil unsere Rasse vielleicht nicht überlebt. Ich will nicht, dass wir völlig vergessen werden."

Unsere erste Begegnung liegt jetzt schon ein paar Jahre zurück, und mittlerweile wohnen die Jungs schon fast hier. Wann immer sie in der Nähe sind sehen sie vorbei und berichten mir, was sich zugetragen hat. Einer nach dem anderen, haben sie sich entschlossen, mir ihre Geschichten anzuvertrauen und so eine Art Chronik zu erstellen.

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